Laudatio auf Hildebrandt & Hees

Sehr geehrte Damen und Herren,
in der heutigen Gesellschaft setzen sich so viele Menschen gegen etwas ein. Das ist leicht. Viel schwerer ist es, für etwas zu kämpfen, wie die Verwaltungsgesellschaft Hildebrandt & Hees, die heute mit der „Goldenen Türklinke“ geehrt wird. Seit Jahren ist die Firma ein Vorreiter im Bereich Gentrifizierung und setzt sich mit viel Herzblut für Entmietung, für Verdrängung und für neue, bessere und höhere Mietpreise ein.
Dabei gehen Marcel Hauptenbuchner und sein Team nicht selten über ihre Grenzen hinaus und leisten in vielen Fällen mehr, als man von ihnen erwarten könnte. Sie könnten leicht einen einfachen 9-to-5-Job absolvieren, wie manch andere Verwaltungsgeselschaft: Anfragen bearbeiten, Häuser verwalten, mit MieterInnen und BesitzerInnen verhandeln und dem Großkunden BNP Paribas hin und wieder den aktuellen Stand ihrer Häuser durchgeben. Aber nein! Mit größter Energie, kreativen juristischen oder baumaßnahmlichen Aktionen und langem Atem engagieren sie sich für die Entmietung ganzer Viertel. Dieser Einsatz hat einen Preis mehr als verdient!
Nicht zuletzt zeigen sich die herausragenden Leistungen unseres Preisträgers in der Auswirkung auf die Immobilienpreise. Bei den Mieten (z.B. im Jungbusch oder in der Neckarstadt-Ost): eine Steigerung von 6 € auf 12 € pro Quadratmeter. Bei den Kaufpreisen: eine Steigerung von 300.000 € auf 1,5 Millionen € pro Haus (Applaus, Bravo, Hurra!) Und nicht nur das! Studien haben gezeigt, dass sich solche Erhöhungen auch drastisch auf den gesamten Mietspiegel der Stadt auswirken. Hildebrandt & Hees haben einfach das Wohl der gesamten Stadt im Auge!
Bescheiden wie er ist, wird Marcel Hauptenbuchner sagen, es sei nicht allein sein Verdienst, andere Akteure hätten hierzu auch beigetragen. Doch wir finden: Sie müssen sich nicht wirklich nicht verstecken! Stehen Sie selbstbewusst zu Ihren Leistungen! Das haben Sie sich wirklich verdient!
Doch der güldene Ruhm von Hildebrandt & Hees hat auch seine Schattenseiten: Immer wieder versuchen dreiste AnwohnerInnen, sich gegen die wohlgemeinten Kündigungen, Klagen und Anzeigen zu wehren! Statt sich darüber zu freuen, dass ihre Wohnungen gründlich und liebevoll saniert werden, freundliche HandwerkerInnen monatelang Überraschung und Abwechslung ins Haus bringen, und sie hinterher mit einer angemessenen Miete Teil des neuen hippen Jungbuschs sein können, formulieren sie Widersprüche und ziehen AnwältInnen hinzu. Das ist nicht fair!
Auch die penetrante Solidarität der AnwohnerInnen mit dem Kardes Kiosk, dem Cafe Batia oder der Strümpfe – The Supper-Artclub wird den Wohltätern von Hildebrandt & Hees nicht gerecht. Sollten die Gewerbetreibenden als 4-Sterne-Restaurant, Szenelokal oder Nobelboutique eine Wiedereröffnung planen, unterstützt Herr Hauptenbuchner sie gerne durch eine ansprechende und neu sanierte Immobilie.
Und wünschen wir uns nicht alle unser Viertel luxussaniert und hip? Stellen Sie sich vor: DoppelverdienerInnen flanieren durch den Jungbusch auf der Suche nach einem Vintageregal für die 4-Zimmer-Wohnung, eine trendy Band aus der Popakademieschmiede spielt den neusten Song von Max Giesinger und in der Pizzeria „Al cespuglio giovane“ gibt’s die Pizza Margherita für 13 €. Ist das nicht ein schöner Traum? ArbeiterInnen, Alleinerziehende, MigrantInnen und Arbeitslose, die heute im Jungbusch leben, erinnern uns doch nur an die Ungerechtigkeiten des kapitalistischen Systems! Wer will das schon? (Niemand!)
Hildebrandt & Hees macht unsere und Ihre Träume wahr. In unermüdlichem Eifer kämpfen Marcel Hauptenbuchner und sein Team für ein unbezahlbares Wohnen für uns alle.
Vielen Dank!

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